M19 mit den Prinzen

Von Sängerknaben zu Popstars

"Alles nur geklaut" oder "Millionär". Keine andere Band verbindet man mit Leipzig so sehr wie Die Prinzen. Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel im Gespräch über nackte Tatsachen, berufliche Anfänge auf dem Friedhof und Engagement gegen Rechts.
Tobias Künzel (l.) und Sebastian Krumbiegel (r.) im Gespräch mit Moderator Lukas Raschke
Tobias Künzel (l.) und Sebastian Krumbiegel (r.) stehen Moderator Lukas Raschke Rede und Antwort.

Das gesamte Interview zum Nachhören:

Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel sind die Frontmänner der wohl erfolgreichsten Boygoup Deutschlands. Ähnlich wie ihre amerikanischen und britischen Kollegen trugen auch sie damals schreckliche Klamotten. Allerdings entstand die Band nicht wie üblich durch ein Casting, sondern geht auf eine lange Freundschaft zurück. Vier der fünf Sänger lernten sich schon in der Schule kennen und sangen viele Jahre gemeinsam im Thomanerchor. Nach vielen gescheiterten Versuchen feierten Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk und Dirk Schrot als "Herzbuben" erste Erfolge. Um nicht länger mit der Altherrenkombo aus Wildeck verwechselt zu werden, kam es schließlich 1991 zur Namensänderung. Tobias Künzel stieß kurz vor der Veröffentlichung von "Gabi und Klaus" zur Band. Auch er hatte zuvor schon musikalische Erfahrungen gemacht.

Ich hatte 'ne erfolgreiche Band in der DDR, "Amor and the Kids". Das lief richtig gut bis zur Wende, wo das plötzlich alles scheiße war und keiner mehr Ostbands hören wollte.

Tobias Künzel

Nach einem Treffen auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt war der Einstieg in die Band beschlossen. Gleich mit ihrer ersten Single gelang der große Durchbruch. Aus den "Prinzen" wurde eine der erfolgreichsten deutschen Bands.

Die etwas andere Boygroup

Anders als britische Boygroups wie die "Backstreet Boys" oder "Take That" fielen "Die Prinzen" vor allem durch ihre provozierenden und teilweise zweideutigen Texte auf. Einen wesentlichen Anteil am Erfolg daran hatte Annette Humpe. Sie produzierte die meisten Alben der Band. Mitte der 90er kam es dann zur Zusammenarbeit mit Stefan Raab. Mit ihm entstand das Album "Alles mit'm Mund". Zwei Jahre später legten die fünf eine Pause ein. Während Künzel das Musical "Comeback! Das Karl-Marx-Musical" auf die Bühne brachte und an der musikalischen Komödie spielte, nahm Sebastian Krumbiegel mit dem Schlagzeuger der Prinzen, Ali Zieme die Solo-CD „Krumbiegel – Kamma mache nix“ auf.

Viele Projekte außerhalb des Bandlebens

Abseits der Band haben Sebastian Krumbiegel und Tobias Künzel noch viele andere Projekte. Künzel fördert mit seiner Produktionsfirma Newcomerbands und schreibt Fernsehmusik, unter anderem die Titelmusik der Kinderquizshow "1, 2 oder 3". Sebastian Krumbiegel ist Schirmherr verschiedener Organisationen, wie dem Ronald McDonald Haus. Besonders liegt ihm aber das Engagement gegen Rechts am Herzen. Die Arbeit habe sich trotz des Rechtsrucks in den letzten Jahre kaum verändert. 

Wenn medial was hoch geputscht wird, ist es wichtig. Wird nichts berichtet, redet keiner rüber. Dass es ein Thema ist, sieht man ja, das ist Fakt. Letzten Endes geht es darum, dass ich für etwas einstehe, was mir wichtig ist. 

Sebastian Krumbiegel

Trotzdem wird natürlich auch weiter mit den Prinzen Musik gemacht. Nur die Locations haben sich im Vergleich zu den Anfängen der Band verändert. Neben mehreren Konzerten in der Oper Leipzig sind sie dieses Jahr zum wiederholten Mal auf Kirchentour.

 

Ob die beiden Frontmänner ihre eigene Musik gut genug kennen, um sie auch rückwärts gespielt zu erkennen?

 

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Annika Sparenborg
11.03.2019 - 13:22
  Kultur