Fantasy Filmfest 2018

Die blutlüsterne Alte

Ein trotteliger Betrüger, eine blutrünstige ältere Dame und eine Fortsetzung zu einem nicht vorhandenen ersten Teil. Der Film "Dementia Part II" gehört zu den schrägsten Beiträgen beim diesjährigen Fantasy Filmfest.
Szene aus "Dementia Part II"
Mit dieser älteren Dame stimmt irgendetwas nicht

Dementia Part II haben die Regisseure Matt Mercer und Mike Testin ihren Film genannt. Testin hatte drei Jahre zuvor Dementia gedreht, in dem ein demenzkranker Mann an eine zwielichtige Pflegerin gerät, doch inhaltlich haben beide Filme wenig gemeinsam. In dieser "Fortsetzung" nimmt nun ein junger Mann namens Wendell, gespielt von Regisseur Matt Mercer, einen Job an, der womöglich sein letzter sein könnte. Wendell ist Ex-Gefängnisinsasse und schamloser Betrüger. Als Aushilfshandwerker wird er in das Haus der demenzkranken Suzanne geschickt, um der hilflosen älteren Dame unter die Arme zu greifen. Wie gut, dass die ihm in ihrer Verwirrung immer mal wieder einen großen Geldschein zusteckt. Recht schnell muss er jedoch feststellen, dass Suzanne nicht so wehrlos ist, wie Wendell anfangs gedacht hat. Irgendetwas scheint mit ihr nicht zu stimmen. Dieser Verdacht bestätigt sich spätestens dann, wenn Suzannes Augen eine ungesund-dämonische weiße Färbung bekommen.

Altenpflege mal anders

Im Fantasy Filmfest-Programmheft wird direkt ein Großmeister des Horrorgenres herbeizitiert: Sam Raimi. Tatsächlich erinnern der skurrile Humor und das dämonische Aussehen der alten

Szene aus "Dementia Part II"
Welches Geheimnis hütet die Tochter der Alten?

Frau an dessen Klassiker Tanz der Teufel. Und auch der Ekelfaktor wird hier in der zweiten Hälfte ordentlich in die Höhe getrieben. Es wird gekotzt, geblutet und Innereien werden aus dem Körper gerissen. Das wird gerade das größtenteils eher hartgesottene Fantasy Filmfest-Publikum nicht in Schockstarre versetzen, ist aber zumindest mit handgemachten Effekten und Liebe zum ekelerregenden Detail sympathisch in Szene gesetzt. Echte Horrorstimmung kommt hier jedoch nie auf, mit Ausnahme einer zugegebenermaßen recht verstörenden Albtraumszene im Mittelteil.

Dementia Part II ist eine schwarzhumorige Ekel-Groteske, auch wenn sich der dünne Inhalt recht schnell mit einigen kleinen Längen bemerkbar macht, trotz der recht kurzen Laufzeit von nur knapp 70 Minuten. Die beiden Regisseure beweisen zum Glück genug Mut zur Scham- und Respektlosigkeit, um insgesamt einen spaßigen kleinen Genrebeitrag abzuliefern. Wenn dann im Abspann über wunderbar schräge Texttafeln das weitere Schicksal der Überlebenden berichtet wird, zeigt sich die letzte große Portion Selbstironie, die dafür sorgt, dass man Dementia Part II einfach nicht böse sein kann.

Fazit

Dementia Part II ist unterhaltsame Genrekost mit einigen skurrilen Ekelspitzen, in der es teilweise aber ruhig noch etwas wilder zur Sache gehen könnte. Nichtsdestotrotz ist man nach dieser Groteske gern bereit, den beiden Regisseuren noch eine Chance zu geben.

 

 

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"Dementia Part II" feiert seien Deutschlandpremiere beim Fantasy Filmfest 2018 und wird in fünf deutschen Städten gezeigt. Eine reguläre deutsche Veröffentlichung ist derzeit noch unbekannt.

Screening-Termine

BERLIN – 10 Sep / 15.00 Uhr
MÜNCHEN – 16 Sep / 22.45 Uhr
HAMBURG – 17 Sep / 14.30 Uhr
KÖLN – 17 Sep / 14.15 Uhr
FRANKFURT – 24 Sep / 14.15 Uhr