Frisch Gepresst: Danny Brown

Der schwarze Joker

US-Rapper Danny Brown ist ein exzentrischer Außenseiter im Hiphop-Game. Mit seinem neuen Album „uknowhatimsayin¿“ verfeinert er noch weiter seinen gänzlich eigenen Stil.
Danny Brown - Drty Laundry
US-Rapper Danny Brown

Obwohl Danny Brown mittlerweile auf rund zehn Jahre Erfahrung im Musikbusiness und fünf erfolgreiche Alben zurückblicken kann, wirkt er trotzdem noch immer wie ein Newcomer. Das liegt nicht etwa an seinem Alter, der mittlerweile 39-Jährige schaffte den Durchbruch erst relativ spät, sondern an seiner anhaltenden Einzigartigkeit. Danny Brown klang im Jahr 2010 wie kein anderer Rapper und er klingt auch 2019 wie kein anderer Rapper. Seine charakteristisch hohe und gepresste Stimme und sein manischer Flow machen ihn damals wie heute absolut unverkennbar.

Ein kleiner Neuanfang

Das heißt jedoch nicht, dass er selbst sich nicht verändert hätte. Sein Durchbruchsalbum „XXX“  war voll dunkler Beats, Wut und persönlicher Geständnisse aus dem Leben eines ehemals Drogenabhängigen. Die beiden Nachfolger „Old“ und zuletzt „Atrocity Exhibition“ bauten auf diesem Stil auf und verfeinerten ihn noch. Dank wuchtiger Beats entstand so auch der ein oder andere Banger. Mit seinem neuen Album „uknowhatimsayin¿“ schlägt Brown nun jedoch ein neues Kapitel auf. Die Platte zeigt den Künstler aus Detroit von einer entspannteren und verspielten Seite. Der Opener „Change Up“ macht dies nicht nur mit dem Titel klar; auch das eröffnende Gitarren-Sample und die wabernden Synths im Hintergrund schaffen eine warme und einladende Atmosphäre, die sich von den unbequemen Vorgängern deutlich absetzt. Der Schritt kommt jedoch nicht überraschend: Schon mit seinen letzten Kollaborationen, wie auf dem Avalanches-Track „Frankie Sinatra“, kultivierte Brown eine sonnigere Seite seiner Persona, die des verrückten Clown-Pimps. Dieser Einfluss wird besonders auf der Single „Dirty Laundry“ deutlich, auf der der Rapper über einen betrunken schwankenden Beat einen wilden Stream-of-Consciousness ablässt.

Danny Browns technische Versiertheit wird auf dem Album dank solch schräger Beats immer wieder gefördert. Für diese hat er sich auch die richtigen Partner ausgesucht: drei der Tracks wurden produziert von Alternative-Hiphop-Pionier Q-Tip von der legendären 90er-Crew A Tribe Called Quest, der auch das Album als Ganzes beaufsichtigte. Auch JPEGMAFIA, der aktuelle König von Hiphop der abgefahrenen Sorte, produzierte  den Track „3 Tearz“ (feat.  Run The Jewels) und darf wiederum auf dem Song  „Negro Spiritual“, produziert von den Neo-Jazzern Flying Lotus und Thundercat, selbst ans Mikrophon. Trotz der vielen Köche bleibt „uknowhatimsayin¿“ jedoch eine erstaunlich homogene Hörerfahrung. Dies ist ganz klar dem alles überschattenden Einfluss von Danny Brown zu verdanken: Der Rapper hatte schon immer ein Faible für Genre-Überschreitungen und Einflüsse aus Post-Punk und Psychedelic-Rock. Besonders die psychedelischen Einflüsse kommen auf dem Album stark zu tragen. Dank Samples aus den 60ern und 70ern (besonders schräg: das Yoko-Ono-Blöken im Hintergrund von „3 Tearz“) schafft das Album eine klare Stimmung: bunt, schrill und freaky. Dabei lassen Tracks wie „Theme Song“ oder der Closer „Combat“ aber auch genug Raum zum Entspannen und zur verträumten Introspektion.

Fazit

Danny Brown selbst bezeichnet sein neuestes Werk als sein „Comedy-Album“. Ganz ernstgemeint ist diese Aussage wahrscheinlich nicht; was jedoch stimmt: „uknowhatimsayin¿“ zeigt den frischgebackenen Vater von seiner bisher positivsten und verspieltesten Seite. Mit nur 11 Tracks und 33 Minuten Spielzeit vergeht die Platte ohnehin wie im Flug. Trotzdem lohnt es sich dem Album etwas mehr Zeit einzuräumen. Die Beats sind wunderbar schräg und detailverliebt und geben Brown anspruchsvolle Rhythmen, auf denen er seine Skills zur Schau stellen kann. Seine Lyrics wiederum strotzen nur so vor cleveren Wortspielen und Punchlines, die evtl. erst bei wiederholtem Hören zünden. „uknowhatimsayin¿“ mag nicht Danny Browns persönlichstes Album sein; dafür ist es womöglich sein unterhaltsamstes.

Every day, another episode

I'm just tryna hear the beat like the stethoscope

3 Tearz

 

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Danny Brown: uknowhatimsayin¿

Tracklist:

1. Change Up*

2. Theme Song

3. Dirty Laundry*

4. 3 Tearz (Ft. Run The Jewels)

5. Belly of The Beast (Ft. Obongjayar)

6. Savage Nomad*

7. Best Life

8. uknowhatimsayin¿ (Ft. Obongjayar)

9. Negro Spiritual (Ft. JPEGMAFIA)

10. Shine (Ft. Blood Orange)

11. Combat

 

*Anspieltipps