Fantasy Filmfest 2018

Todbringendes TV-Programm

Dass beim Weihnachtsfest mit der Familie gern mal Spannungen aufkommen können, ist bekannt. Was jedoch passiert, wenn man dann auf einmal das Haus nicht mehr verlassen kann, zeigt der Horrorfilm Await Further Instructions.
Szene aus "Await Further Instructions"
Nick und seine Freundin sitzen in der Falle

Das wird ein Stresstest! Weihnachten steht vor der Tür und passend zum Fest der Liebe soll Nick (Sam Gittins) seiner Familie seine neue Freundin Annji (Neerja Naik) vorstellen. Zu seinen Eltern hat er schon längst keine besonders gute Beziehung mehr, meidet Kontakt so gut es eben geht. Wenig überraschend kommt es recht schnell zu den ersten Streitigkeiten und als wäre das noch nicht genug, wird die zerstrittene Sippe kurzerhand im Haus eingesperrt. Eine rätselhafte schwarze Masse versperrt alle Fenster und Türen, der Strom fällt aus und die Familie sitzt in der Falle. Dann erscheint plötzlich eine Meldung auf dem Fernsehbildschirm: Await Further Instructions. Wartet auf weitere Anweisungen.

Finstere Dystopie

Mit dem schnellen Grusel für zwischendurch wollte sich Regisseur Johnny Kevorkian (The Disappeared) offenbar nicht zufrieden geben. Sein Horror-Kammerspiel Await Further Instructions steckt voller gewollter Sozialkritik. So eskaliert der Familienstreit zu Beginn ausgerechnet beim Thema Migration. Opa, genannt Grandad, schimpft über die Flüchtlinge, die sein Land ruinieren würden, womit er bei einigen Familienmitglieder auf so gar keine Zustimmung stößt.

Das sorgt in so einem Genrefilm kurz für eine Überraschung, wirkt aber auch etwas arg aufgesetzt. Und das liegt bestimmt nicht an den schauspielerischen Fähigkeiten von David Bradley, dessen wunderbar fiese Darstellung des rassistischen, griesgrämigen Großvaters sich nach Rollen wie Hausmeister Filch in Harry Potter oder Walder Frey in Game of Thrones perfekt einreiht in sein Sammelsurium an ekelhaften Film-Fieslingen. Wie schade, dass ihm in diesen Film nicht mehr Platz eingeräumt wird.

Mehr Drama als Horror

Await Further Instructions` Familienkonflikt ist erstaunlich düster und dramatisch ausgefallen. Der eigentliche Horroraspekt kommt erst spät hinzu. Vielmehr spielt dieses Kammerspiel mit der Unwissenheit seiner Charaktere darüber, wer oder was sie eigentlich im Haus gefangen hält. Handelt es sich um ein soziales Experiment oder ist hier doch eine außerirdische Macht am Werk? Das ist besonders am Anfang durchaus fesselnd und sorgt für spannende Einzelmomente. Befehle, die durch den Fernseher kommen, die Medien, die zu Gewalt aufrufen. Dass TV-Geräte böse sein können, weiß man immerhin nicht erst seit Poltergeist.

All das bietet genug Stoff für eine bissige Gesellschaftssatire, Regisseur Kevorkian entscheidet sich aber stattdessen für ein paar heftige Gewaltausbrüche, körperlichen Horror a la David Cronenberg und ein abstruses Actionfinale, das dem medienkritischen Subtext eine so übertriebene Pointe verleiht, dass man ihn kaum noch ernst nehmen kann. Was als packendes Horrorszenario beginnt, verliert sich zunehmend in Belanglosigkeit.

Fazit

Await Further Instructions ist ein anfangs emotionales, einigermaßen atmosphärisches Horror-Kammerspiel, das jedoch zu unentschlossen wirkt, welches Genre es bedienen will. Viel bleibt nach den 96 Minuten nicht hängen.

 

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"Await Further Instructions" feiert Deutschlandpremiere beim Fantasy Filmfest 2018 und wird in sieben deutschen Städten gezeigt.

Screening-Termine

BERLIN – 13 Sep / 18.30 Uhr
MÜNCHEN – 19 Sep / 16.00 Uhr
HAMBURG – 15 Sep / 13.30 Uhr
KÖLN – 20 Sep / 18.30 Uhr
FRANKFURT – 27 Sep / 18.00 Uhr

Tiberius Film wird den Film demnächst voraussichtlich auf DVD und Blu Ray veröffentlichen.