DOK 2018

Die Architektur der Unendlichkeit

Kann ein Dokumentarfilm über Architektur spannend sein? Ja, er kann. Das beweist Christoph Schaubs Film "Architektur der Unendlichkeit", der beim 61. DOK Festival Premiere feierte.
Szene aus "Architektur der Unendlichkeit"
Christoph Schaub sinniert über die Unendlichkeit

Das 61. DOK hat wieder allerhand düstere Themen auf Lager. Frauen, die unter dem Islamischen Staat zu leiden haben (Women With Gunpowder Earrings), Videoblogger aus Dresden, die offenbar jegliche Sensibilität für Grenzüberschreitungen verloren haben (Lord of the Toys) oder auch Menschen, die vom Krieg psychisch zerrüttet wurden (No Obvious Signs, Stress). Da wirkt es fast schon wie eine Erleichterung, wenn man zwischendurch auf einen Film wie Architektur der Unendlichkeit stößt, der ganz ohne Gewalt und Leid auskommt. Dabei dürfte das Thema zunächst - es lässt sich nicht bestreiten - für die meisten Menschen eher langweilig klingen, doch davon sollte man sich keinesfalls abschrecken lassen. 

Sakrale Meisterwerke

Architektur der Unendlichkeit befasst sich mit Kirchenarchitektur. Der Regisseur Christoph Schaub erzählt per Voice Over vom Tod seines Vaters, dem Ursprung seiner Begeisterung für die Themen, die anschließend erörtert werden. Er habe sich geweigert, sich in der Kirche von seinem toten Vater zu verabschieden. Nun spürt er der Frage nach, wie sich

Szene aus "Architektur der Unendlichkeit"
Architektur der Unendlichkeit

Spiritualität, Leben und Tod in sakralen Bauwerken vereinen. Mit sakralen Bauwerken sind damit nicht nur die klassische Dorfkirche gemeint. Schaub fängt Bilder von wahrhaft spektakulär anmutenden Kirchen und Kapellen ein.

Die Kamera gleitet wie schwerelos durch die Räume, schaut nach oben an die kunstvoll verzierten Decken. Es scheint, als würde die Bauwerke selbst betreten. So besucht man zum Beispiel ein "Skyspace" des Künstlers James Turrel, durch dessen Himmelsloch man in die Weiten des Alls blicken soll. Egal ob man sich mit Architektur auskennt, sich für sie interessiert oder nicht: Während man diesen Film sieht, bekommt man sofort Lust, sich in das nächste Flugzeug zu setzen und die Bauwerke selbst zu besichtigen.

Suggestives Filmerlebnis

Die teils majestätisch schönen Bilder und die einhüllende Musik lassen einen voll und ganz in die Welt dieses filmischen Essays eintauchen. Wenn Schaub einen Künstler trifft, der die Architektur eines geheimnisvollen Museums mit der Musik gewaltiger Trommelschläge kombiniert, sorgt Architektur der Unendlichkeit für Gänsehaut.

Es geht vom Meeresgrund in die Erde, wo das Leben entspringt, und letztlich in entfernte Galaxien. Besonders im letzten Drittel steht Architektur der Unendlichkeit mit seinen Gedankenspielereien über Vergänglichkeit, Transzendenz, das Paradies und das unbegreifbare Weltall mehrfach davor, in esoterischen Kitsch abzurutschen. Ein zutiefst sinnlicher Film ist das aber dennoch geworden.

Fazit

Die inhaltlichen Überlegungen in Architektur der Unendlichkeit sind zum Teil zu sperrig und schwelgerisch geraten. Dennoch handelt es sich um ein Highlight im Wettbewerb des 61. DOK Festivals. Ein bildgewaltiger Film, der zum Staunen einlädt und für den die Leinwand nicht groß genug sein kann.

 

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Janick Nolting
01.11.2018 - 15:46
  Kultur

"Architektur der Unendlichkeit" läuft im Internationalen Wettbewerb des 61. DOK Festivals.

Regie: Christoph Schaub

Laufzeit: 86 Minuten