Agentur für Arbeit

Weniger Arbeitslose in Leipzig

Leipzig erlebt die niedrigste Arbeitslosenquote seit 1991, wie die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt. Wir haben Hermann Leistner von der Leipziger Filiale nach den Gründen dafür gefragt.
Leipzigerinnen und Leipziger
In Leipzig ist die Arbeitslosenquote so niedrig wie zuletzt 1991.

In Leipzig arbeiten rund 267.000 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Dem gegenüber stehen etwa 2.300 Arbeitslose, mit 6,6 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote seit 1991. Hermann Leistner, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Leipzig, freut sich über die Zahlen und erklärt die Entwicklung. Das Interview führte Hannes Berger.

mephisto 97.6: Die veröffentlichten Zahlen sind recht positiv. Woran liegt das?

Hermann Leistner: Das liegt daran, dass es in dieser Stadt, in dieser Region einfach brummt. Wir haben seit einigen Jahren den Trend, dass die Arbeitslosigkeit sinkt, Beschäftigung steigt und die Nachfrage nach Arbeitskräften monatlich größer wird. Das liegt einfach daran, dass sich diese Region positiv entwickelt. Und letztlich wird auch ein Beitrag in der Gesamtkonjunktur in Deutschland geleistet.

Gerade bei den Langzeitarbeitslosen gab es einen Rückgang. Worauf ist der zurückzuführen?

Wir sind immer darauf bedacht, die Langzeitarbeitslosen stark in den Fokus zu nehmen. Wir wollen nicht, dass die von dieser positiven Entwicklung abgehängt bleiben. Deswegen werden sie häufig mit Qualifizierungen und Weiterbildungen fit gemacht. Wenn wir den Abstand zum Juni 2017 anschauen, dann haben wir 2.500 Menschen weniger, die arbeitslos sind. Und von diesen sind wiederum 1.700 Menschen vom Jobcenter, also Menschen die häufig langzeitarbeitslos sind. Das ist eine Entwicklung, auf die wir ein bisschen stolz sind.

Haben Sie konkrete Anhaltspunkte, woran genau das gelegen hat?

Wenn wir uns die Beschäftigung anschauen, dann sind wir in Leipzig bei einer Größenordnung von 267.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, das sind reguläre Arbeitsplätze. Diese Zahl hat sich im Jahresvergleich um 7.000 erhöht. Das sind 2,6 Prozent mehr Arbeitsplätze, die innerhalb eines Jahres entstanden sind. Diese Entwicklung haben wir schon mehrere Jahre. Und das Schöne daran ist, dass das nicht mit einem oder zwei Arbeitgebern verknüpft ist, sondern es die ganze Bandbreite. Das ist eine sehr gesunde Entwicklung. Da gibt es nur wenige Regionen in Deutschland, die vergleichbare Werte haben. Leipzig ist nach einer langen Durststrecke von etwa 15 Jahren auf einem positiven Weg. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß haben Jahr für Jahr zugelegt.

Die Statistik wird im Sommer veröffentlicht und der saisonale Effekt spielt da sicherlich mit rein. Wie würden sie den Einfluss der Jahreszeit auf die Zahlen einschätzen?

Ich verdeutliche kurz den Jahresverlauf. Dabei gehören die Sommermonate nicht zu den stärksten Monaten. Die ganz schwachen Monate sind Januar, Februar und teilweise auch der März, da steigen die Arbeitslosenzahlen. Dann gibt es zwei Monate im Sommer, bei denen es stagniert – das sind Juli und August. Alle anderen Monate sind von positiven Zahlen, von sinkenden Arbeitslosenzahlen geprägt. Juli und August sind typische Urlaubsmonate, die jetzt anstehen. Da passiert im Grunde genommen nicht sehr viel. Es passiert sogar etwas sehr Gegenteiliges: viele Schülerinnen und Schüler, die die Schule abgeschlossen haben und auf die Ausbildung oder das Studium warten, melden sich häufig auch auf der Arbeitsagentur. Das führt dazu, dass im Juli die Zahlen steigen. Genauso gibt es junge Leute, die die Ausbildung beendet haben, die vielleicht vom Ausbildungsbetrieb nicht übernommen werden und sich für die Zeit arbeitssuchend melden.

Nun sind auch die Zahlen für Sachsen erschienen, das leicht unter den Zahlen von Leipzig liegt. Wie lässt sich diese Differenz erklären, wenn es doch Leipzig so gut geht?

Wenn Sie sich die elf einzelnen Agenturbezirke in Sachsen anschauen, da finden sie Bezirke wie Plauen oder Annaberg-Buchholz, wo die Arbeitslosenquote besser ist und stärker fällt als in Leipzig. Das hängt häufig mit den demografischen Situationen dieser Bezirke zusammen. Der Vogtlandkreis ist einer der überaltertsten Regionen in Sachsen und auch Deutschland. Dort sind Menschen im erwerbsfähigen Alter in einer geringeren Zahl vorhanden als in Leipzig. Leipzig hat im Jahr eine Zuwanderung von 10.000 Menschen, die Stadt wächst tendenziell. Also kommen auch mehr Menschen im erwerbsfähigen Alter. Das führt dazu, das sich die Arbeitsmarkt-Situation und damit auch die Arbeitslosenzahlen sich anders erklären als im Vogtlandkreis.

Das waren bisher positive Punkte. Wo gibt es denn noch Baustellen?

Für mich könnte es immer noch schneller gehen. Ich bin mir aber sicher, dass wir die jetzige Dynamik beibehalten werden. Und die ist schon gut. Das Zweite, was uns unter den Nägeln brennt: wir haben eine zunehmende Zahl von freien Arbeitsplätzen, wo es uns schwerer fällt, die zu besetzen. Allein im Juni 2018 haben wir 7.500 freie Stellen in Leipzig. Und dieser Stellenbestand wächst.

 

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Isabell Bergner, Hannes Berger
29.06.2018 - 19:04