Festivaltagebuch

100 Prozent Musik, 100 Prozent Liebe

Drei Tage lang verzaubert das Appletree Garden Festival alt eingesessene Hasen, neuen Zuwachs, alte und junge Menschen. Zwischen viel Glitzer, toller Musik und lieben Menschen - ein Festivaltagebuch.
Vom 02 bis 04. August öffnet das Appletree Garden Festival seine Türen.

Noch bevor wir um kurz nach 10 Uhr losfahren, bin ich schon ganz aufgeregt. Das Appletree Garden Festival 2018 wird mein Erstes werden. Ich gehe noch einmal all die Geschichten und Erfahrungen meiner Freunde, die sie auf anderen Festivals gesammelt haben, durch. Ich bin gespannt, welche das Appletree Garden für mich bereithalten wird.

Donnerstag, 02. August

Wir Drei haben eine lange Reise von Leipzig nach Diepholz in Niedersachsen in unserem kleinen und unglaublich stickigen - stellt unbedingt vorher noch mal sicher, dass die Klimaanlage bei 33 Grad Außentemperatur auch wirklich funktioniert - Fünfsitzer hinter uns. Um 16 Uhr kommen wir im Lüdersbusch 2 an. Vor genau vier Stunden, also um 12 Uhr, hat der Campingplatz bereits aufgemacht. Das haben wir auch direkt gemerkt: Gefühlt ist schon der gesamte Platz belagert. Nach etwa 20 Minuten Suchen in der prallen Sonne finden wir einen netten Platz etwas weiter abseits vom Geschehen.

Nachdem das Zelt aufgebaut ist, und wir erste nette Bekanntschaften gemacht haben, sehen wir uns auf dem Gelände um. Auf dem Campingplatz wurden wohl direkt die Musikanlagen aufgebaut und es ertönen Bands und Acts, die auch auf dem Festival spielen werden. Außerdem fällt uns auf, dass es überall kostenlose Trinkwasserstellen gibt. An denen stehen auch schon viele Menschen an - kein Wunder bei diesen Temperaturen.

Beim Auftritt von Siegfried & Joy sitzt das Publikum gespannt vor der Bühne.

Direkt, nachdem wir unsere Bändchen erhalten, sehen wir uns auf dem Festivalgelände um. Einer der ersten Acts steht auch schon um 17:20 Uhr auf der Bühne. Siegfried & Joy bezaubern im wahrsten Sinne des Wortes das Publikum. Das Zauberer-Duo aus Berlin versucht, die Magie ein wenig zu entstauben. Frisch und locker betreten sie die Bühne. Sie interagieren viel mit dem Publikum. An manchen Stellen führen sie richtige Zaubertricks vor - so zum Beispiel lassen sie einen Tisch fliegen. In anderen Momenten decken sie wiederum Tricks direkt auf und lassen das Publikum an der Komik teilhaben. Im Anschluss haben wir das Glück, mit ihnen ein Interview zu führen. Diesmal sitzen sie vor uns, nicht in glitzernden Kostümen, sondern in Alltagskleidung: Jogginghose und T-Shirt. So locker, wie sie auf der Bühne auftreten, sind sie auch persönlich. Sie nehmen sich ganz viel Zeit für uns und plaudern teilweise aus dem Nähkästchen.

Wir haben uns in einem Berliner Zaubershop in Berlin kennengelernt, und haben dann gemerkt, wir wollen zusammen zaubern. Unsere erste große Reise ging nach Las Vegas, um die Zauber-Profis zu sehen.

Joy Leslie

Zu Abschluss zeigen sie uns noch ihren Lieblingstrick. Dafür werden natürlich wieder die Glitzerhosen und Sakkos rausgeholt.

Das Interview zum Nachhören:

Redakteurin Svenja Tschirner im Gespräch mit Siegfried und Joy

Das Zaubererduo Siegfried und Joy

Redakteurin Svenja Tschirner im Gespräch mit Siegfried und Joy

Am Abend sehen wir uns die dänische Indie-Rock Band WhomadeWho an. Vor allem ihre Bühnendeko fällt mir auf. Eine riesige Hand, die zwei Augäpfel hält, sticht hinter der Band hervor. Nach ein einhalb Stunden tanzen, bekommen wir Hunger. Wir müssen uns zwischen Handbrot, Hot Dogs und Falafel entscheiden: Die Schlange beim Pizzastand ist einfach zu lang. Wir beschließen, uns zwei leckere Falafel zu holen. Diese genießen wir auf ein paar Paletten unter großen neon Blumen.

Der Electro DJ Aaron Ahrends legt im Spiegelzelt auf.

Danach geht es für uns ins Spiegelzelt zum DJ Aaron Ahrends. Der Schweiß tropft förmlich von der Decke, weil alle hier richtig abtanzen. Die Lichteffekte machen erst recht Stimmung. Um kurz nach 23 Uhr wird es uns etwas zu warm im Zelt und wir begrüßen die frische Luft davor. Der Beat von Ahrends' Musik begleitet uns bis da hin. Wir schauen in den klaren Himmel und staunen, wie viele Sterne hier tatsächlich zu sehen sind - in Leipzig wäre so etwas nicht möglich. Dann hören wir vom Spielplatz mitten auf dem Gelände laute Musik ertönen. Wir fragen uns, wie dort eine Bühne sein kann. Pauli Pocket legt oben im Waffel und Wodka auf. Sie ist in einer Art Baumhaus und füllt den gesamten Platz mit ihren Beats. Nach der fünfstündigen Autofahrt, den vielen neuen Eindrücken, dem ganzen Getanze und der tollen Musik fallen wir komplett fertig gegen halb zwei ins Bett.

Freitag, 03. August

Zum Wachwerden und Energietanken gibt es mehrere Workshops im Spiegelzelt.

Durch die unerträgliche Hitze im Zelt werden wir bereits um 8 Uhr morgens mach. Wir starten entspannt und noch etwas müde in den Tag. Ein kurzes Frühstück im Schatten unseres Zelts reicht bereits aus, damit wir wieder Energie haben. Wir beschießen, einen der Workshops zu besuchen. Der Thai-Massage Workshop ist gut besucht. Überall liegen Pärchen auf Matten. Eine ruhige Frauenstimme gibt Anweisungen oder Ideen zum Massieren. Auch die Gebenden sollen sich danach gut fühlen.

Als wir zum Zelt zurückkehren, können wir keinen Fuß reinsetzen. Bei 32 Grad in der Mittagssonne ist es kaum auszuhalten. Wir beschließen, ins nahegelegene Freibad zu gehen. Auf dem Weg zum Ausgang des Festivals werden wir von einem Traktor, der mit einem Wassertank durch die Gegend fährt, überrascht. Ein Mann mit einem Schlauch in der Hand spritzt alle, die an ihm vorbeikommen ab. Genau das, was wir bei der Wärme brauchen!

Die Bahn "Jan Spieker" fährt täglich von 9 bis 15 Uhr zwischen dem Festival und Freibad hin und her.

Wir fahren mit einem kostenlosen Zug zum Freibad und bezahlen auch dort bloß einen Euro Eintritt. Endlich können wir uns abkühlen. Das Freibad ist bereits um 13 Uhr gut gefüllt mit vielen glitzernden Menschen. Nach knapp zwei Stunden im kühlen Nass und einer kostenlosen, kurzen Dusche geht es für uns zurück zum Campingplatz. Leider fährt die "Jan Spieker" Bahn nur bis um 15 Uhr. Das heißt, wir müssen laufen. Bei der Wärme ist das etwas anstrengend. Jedoch sind wir nicht die Einzigen und können in einer größeren Gruppe und begleitet durch Musik den Rückweg antreten.

Wir wollen uns um 16 Uhr die Indie-Band Bad Sounds ansehen. Wir machen einen kurzen Abstecher zum Zelt, legen unsere Sachen ab und gehen direkt aufs Festivalgelände. Bad Sounds haben bereits angefangen zu spielen. Eines der bekannteren Lieder der Band ist "Are you high?". Dabei geht die Menge vor der Mainstage auch ordentlich ab. Die Band spielt nicht allzu lange, weil ihr erstes Album erst noch erscheinen wird. Genauso ist es bei Pish - das ist das Solo-Projekt des Sängers von Kakkmaddafakka. Er präsentiert auf der Waldbühne etwas weniger Ekstase als die Band.

Die australische Band Parcels gibt auf der Mainstage alles.

Um 19:30 Uhr wollen wir uns Parcels ansehen. Sie ist eine der bekannteren Bands auf dem Appletree Garden. Das ist sofort klar, als sich bereits eine halbe Stunde vor dem Auftritt die Reihen der Mainstage füllen. Die Band aus Australien hat einen recht langen Weg hinter sich: Das ist ihnen jedoch nicht anzumerken. Sie rocken zu Songs wie "Tieduprightnow" oder "Overnight" richtig ab. Das überträgt sich auch aufs Publikum, welches total abgeht. Wir tanzen alle wild durcheinander und haben richtig viel Spaß!

Nach dem Konzert von Parcels müssen wir uns erst einmal stärken. Wir entscheiden uns heute doch die Pizza - trotz langer Schlange - auszuprobieren. Das Warten lohnt sich auch. Wir genießen die Champignon Pizza einfach im Schneidersitz auf dem Boden. Im Anschluss schauen wir noch einmal auf der Waldbühne vorbei. Dort legt das niederländische DJ-Duo Weval auf. Wir lassen uns ein wenig treiben und lauschen der Musik. Als wir um kurz vor zwei über den Campingplatz laufen, hören wir noch überall aus Musikboxen diverse Künstlerinnen und Künstler und wir werden zu kleinen After-Festival Partys eingeladen. Im Zelt angekommen hören wir dann auch noch ein wenig zu, bis uns vor Müdigkeit die Augen zufallen.

Samstag, 04. August

Der Samstagmorgen ist ähnlich, wie der am Freitag. Wir werden von der Sonne und der Hitze im Zelt geweckt und machen uns kurzerhand auf zum Freibad. Um 15 Uhr machen wir uns wieder auf den Rückweg und legen einen kurzen Abstecher bei Netto ein, um uns mit Getränken und Verpflegung für den letzten Tag und die Rückfahrt einzudecken.

Bei den Leoniden auf der Bühne gibt es kein Halten mehr.

Die erste Band, die wir an diesem Nachmittag sehen wollen, sind die Leoniden. Um kurz nach 17 Uhr starten sie. Das gesamte Konzert ist einfach nur klasse. Die Jungs aus Kiel gehen total ab auf der Bühne. Das entfacht auch beim Publikum die Tanzlust. Als dann der Frontsänger Jakob auch noch in die Menge geht und sein Percussion-Solo mittendrin macht, kann es gar nicht mehr besser werden. Bei Liedern wie "Nevermind", "Sisters" oder "Kids" singt gefühlt auch das ganze Publikum mit.

Jakob von den Leoniden bei uns im Interview.

Im Anschluss können wir noch ein Interview mit dem Sänger Jakob von den Leoniden führen. Noch ein wenig verschwitzt von der krassen Performance sitzt er uns gegenüber. Auch er ist total offen und erzählt viel drauf los. Wir reden übers Touren und das Heimweh, das mitschwingt, über ihre neue Musik und was die Zukunft noch für sie bereithält.

Wir haben gesagt, dass wir aufhören, wenn wir keine bessere Musik mehr schreiben (...) also bringen wir lieber kein Album raus, als ein schlechteres.

Jakob Amr, Sänger bei den Leoniden

Außerdem erzählt Jakob, dass sie den Namen "Leoniden" gar nicht so romantisch unter einem Sternschnuppensturm gewählt haben.

Das gesamte Interview zum Nachhören:

Redakteurin Svenja Tschirner im Interview mit Jakob Amr von den Leoniden
Interview_Appletree_Leoniden

Nach unserem tollen Interview geht es zu Von wegen Lisbeth. Die Band aus Berlin hat mit Abstand die meisten Fans unter den Appletree Garden Acts. Bei 5.000 Besucherinnen und Besuchern war es bisher immer recht angenehm. Denn nicht jedes Konzert interessiert alle.

Von wegen Lisbeth rockt zu ihrem Lied "Lisa" auf der Bühne.

Doch bei Von wegen Lisbeth versammeln sich gefühlt alle 5.000 Menschen vor der Mainstage - der Platz ist rappelvoll. Vor allem bei den Liedern "Wenn du tanzt", "Meine Kneipe" und "Sushi" geht das Publikum ab. Sie geben am Ende sogar zwei Zugaben, obwohl die Zeit schon längst vorbei ist.

Kurz darauf schauen wir uns die Band Grizzly Bear an. Die US-amerikanische Indie-Band sagt von sich selbst, sie seien keine Samstagabend Band. Dennoch schaffen sie es, das gesamte Publikum mit ihren etwas langsameren Songs mitzureißen. Am Ende des Abends finden wir uns vor einem Sushi-Stand wieder und holen uns dort einen Sushi-Burrito. Wir feiern noch tief in die Nacht hinein: Wie lange genau, weiß ich nicht.

Sonntag, 05 August

Gegen 10 Uhr wachen wir auf, diesmal nicht wegen der Hitze. In der Ferne hören wir schon die Ersten, die ihre Zelte abbauen. Wir machen den Reißverschluss unseres Zelts, welches mittlerweile Zuhause geworden ist, auf und können es noch gar nicht fassen, dass es vorbei ist. Die tolle Musik, die schönen Interviews, die netten Menschen, die liebevoll gestaltete Dekoration, die Liebe generell werde ich erst einmal ein Jahr missen müssen. Die Zeit ist doch tatsächlich viel schneller vergangen, als ich es zu Beginn erwartet hatte. Wir sitzen noch ein wenig in der Sonne und schwelgen in Erinnerung. Als sich unsere Nachbarn ans Zelt zusammenräumen machen, setzen auch wir uns auf. Einen letzten Weg zum Frischmachen über den gesamten Platz. Diesmal müssen wir keine Schlangenlinien laufen, weil einige der Zelte schon weg sind.

Am Ende des Festivals werden die Müllsäcke gesammelt und in Container geworfen.

Zu meiner Überraschung gleicht der Ort nicht einem Schlachtfeld oder einer Müllhalde, so wie ich es zuvor aus Berichten meiner Freunde von anderen Festivals gehört hatte. Wir kommen an einer langen Schlange aus Menschen mit roten Müllsäcken in den Händen vorbei. Im Ticket ist nämlich ein Müllpfand von fünf Euro enthalten. Einen vollen Sack aus Müll können die Festivalbesuchenden gegen diesen Pfand oder einen Appletree Garden Beutel am Ende eintauschen.

Nach einer kurzen und knackigen Katzenwäsche und einem Iced Latte geht es ein letztes Mal zurück zum Zelt: Es ist Abbauen angesagt. Mit tatkräftigen Helferinnen und Helfern geht das Ganze auch viel schneller. Wir verabschieden uns von unseren neuen Freunden und machen schon Pläne für das Festival 2019 aus. Wir beladen das Auto und dann geht es zurück in Richtung Leipzig. Danke Appletree Garden für die wunderbare Zeit. Bis zum nächsten Jahr!

 

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Hier geht es zum Vorbericht über das Appletree Garden Festival 2018.

Meine Highlights:

  • Sigefried & Joy
  • Parcels
  • Leoniden
  • Von Wegen Lisbeth
  • Grizzly Bear