Filmkritik

Annabelle 3: Nachts im Horror-Museum

Die gruseligste Puppe der Filmgeschichte ist nicht totzukriegen. Im mittlerweile siebten Film der "Conjuring"-Reihe sorgt Annabelle im Haus der Geisterjäger für eine wahre Horrornacht und schließt den erzählerischen Kreis.
Annabelle 3
Annabelle sorgt bei den Warrens für Leben in der Bude.

Das Haus von Ed und Lorraine Warren in Connecticut ist legendär. In einem privaten Museum sammelten die berühmten Spukforscher jahrelang verfluchte und heimgesuchte Gegenstände, heute ist es eine wahre Touristenattraktion für Wagemutige. Das Museum gilt als die größte bekannte Sammlung okkulter Artefakte, ihre beiden Betreiber sind mittlerweile beide tot. Lorraine Warren starb zuletzt im April 2019 im Alter von 92 Jahren, ihr ist dieser neue Annabelle - Film auch gewidmet. Über 100 Fälle sollen die Warrens untersucht haben, darunter das Spukhaus von Amityville, das wohl berühmteste Spukhaus der Welt. Gefundenes Fressen für Hollywood: Gleich mehrere Filme basieren auf den angeblich wahren Erlebnissen des Ehepaares.

James Wans The Conjuring, der vom vermeintlich realen Spuk im Farmhaus der Familie Perron in den 70er Jahren erzählte, führte 2013 zu einem wahren Hype und wurde zu einem der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten. Sechs Jahre später hat sich der Sensationshit zu einem ganzen Universum entwickelt, neben der Fortsetzung The Conjuring 2 kamen gleich mehrere Spin Offs. Da wurde ein mexikanischer Wassergeist heraufbeschworen, spukte eine dämonische Nonne durch ein rumänisches Kloster und die gruselig Annabelle-Puppe sorgt nun eben schon in ihrem dritten Solofilm für Angst und Schrecken. 

Zurück nach Hause

Warum ausgerechnet diese Puppe, die damals in The Conjuring nur einen kleinen Gastauftritt hatte, gleich drei Filme bekommt, erschließt sich auch in diesem Abschluss der Trilogie nicht. Am Ende ist es eben nach wie vor einfach nur eine Puppe, die zwar gruselig aussieht, aber die meiste Zeit nur irgendwo herumsitzt. Was also tun, um es nicht langweilig werden zu lassen? Na klar! Andere Dämonen müssen über die Leinwand huschen, die mit der Puppe in Verbindung stehen.

Annabelle 3
Die Kids erleben Böses

Das hat in den ersten beiden Filmen über Annabelle mit seiner Sektengeschichte und dem seelenfressenden Dämon inhaltlich schon wenig Sinn ergeben, gibt sich in Teil 3 aber immerhin gar nicht erst die Mühe, die Geschichte noch unnötig aufzublähen. Besser also, sich direkt in den Grusel zu stürzen.

Die Geschichte ist schnell erzählt und kaum der Rede wert, aber immerhin schließt sich der Kreis nach Ausflügen in die 50er und 60er Jahre: Annabelle 3 setzt kurz nach der Auftaktszene von The Conjuring ein. Die Warrens nehmen die Puppe mit zu sich nach Hause und sperren sie in eine geweihte Vitrine ein. Als sie ihre Tochter und deren Babysitterin eines Nachts allein zu Hause lassen, kommt es zur Katastrophe. Eine Freundin der Babysitterin verdient sich das Prädikat "dümmste Filmfigur des Jahres", schleicht in die Artefaktsammlung und öffnet die Vitrine, woraufhin sämtliche Geister aus dem Keller gelassen werden.  Annabelle 3 hat dabei zweifelsohne die unterhaltsamste Prämisse der drei Teile. Schade, dass Vera Farmiga und Patrick Wilson dabei als Ehepaar Warren am Anfang und am Ende quasi nur einen Gastauftritt bekommen.

Eine Gespensterjagd

Es dauert eine ganze Weile, bis der Horror losgeht, doch wenn der Zeitpunkt erreicht ist, dann liefert Annabelle 3 seine Schocks im Sekundentakt. Dieses dritte Spin Off profitiert ungemein von der Faszination seines Schauplatzes. Schon in Conjuring wollte man unbedingt wissen, was es mit all den schaurigen Gegenständen auf sich hat und so ist es eine große Freude, in diesem Film endlich einige der Schauergeschichten zu erfahren, die hier zum Leben erweckt und nun natürlich in einer Horrorversion von Nachts im Museum wieder eingefangen werden müssen.

Szene aus Annabelle 3
Die Warrens holen Annabelle nach Hause

Mit dabei sind unter anderem ein mörderisches Brautkleid, der Totenfährmann höchstpersönlich (die gruseligste Szene im Film!) und sogar ein Werwolf treibt vorm Haus sein Unwesen. Was es im Kuriositätenkabinett der Warrens noch zu sehen gibt, soll an dieser Stelle nicht vorweggenommen werden.

Innovativ ist das alles schon längst nicht mehr, gefährlich für die Charaktere wird es kaum und so richtig Angst macht es auch nicht. Annabelle 3 ist wie die anderen vier Spin Offs lediglich eine Geisterbahnfahrt, eine Nummernrevue voller lauter Schreckeffekte, die jedoch schnell wieder vergessen sind. Regisseur Gary Dauberman gibt sich zumindest Mühe, seine Schocks sorgfältig aufzubauen! Ja in einigen Momenten gelingt ihm in Zusammenspiel mit der bemerkenswerten Kameraarbeit sogar ein recht gekonntes Spiel mit den Erwartungen und der Anspannung des Publikums, bevor es wieder laut wird.

Öder Nachklapp

Wo sich die beiden Vorgänger noch lange mit ihrer halbgaren Geschichte aufgehalten haben, feuert Annabelle 3 irgendwann nur noch aus allen Rohren. Das ist alles ganz nett und zwischendurch schleicht sogar ein überraschend sympathischer Humor in diese Remineszenz an das 70er und 80er - Jahre - Gruselkino ein. Erzählerisch zeigt sich aber mal wieder, dass diese Horrorpuppe einfach nicht genügend Stoff für drei Filme hergibt und erzählerisch an ihre Grenzen stößt. Das fing im ersten Annabelle - Ableger mit einem nächtlichen Sektenüberfall so gruselig an, mittlerweile ist es zwar noch optisch stark in Szene gesetzt, aber die Luft ist raus!

Die Geschichte ist in ewigen Wiederholungen gefangen und auch die Horroszenen erreichen selten die Intensität, die Regisseur James Wan noch in den beiden Mutterfilmen um die Warrens heraufbeschworen hat. Wo The Conjuring ein fabelhafter Horrorfilm war, der nicht nur brilliant inszeniert war, sondern in seinem Spukhaus auch durchaus intelligent seine Fragen nach Mutterschaft und Katholizismus verhandelte, sind diese Ableger nichts weiter als schnelles Grusel - Fast Food. Immerhin scheint die Geschichte nun abgeschlossen und dieses eine Mal ist alles gut. Vielleicht ist es nun endlich an der Zeit für einen neuen Stoff aus den Warren-Akten.

Fazit

Annabelle 3 ist nichts weiter als eine klischeehafte Geisterbahnfahrt, aber ist mit seinem Gespensterarsenal definitiv der unterhaltsamste Film der fünf Conjuring - Spin Offs. Obwohl die Ermüdungserscheinung da ist, versprühen die Fälle der Warrens immer noch eine Faszination.

 

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Janick Nolting
05.07.2019 - 12:19
  Kultur

ANNABELLE 3

Regie: Gary Dauberman

Kinostart: 04. Juli 2019

FSK 16

Laufzeit: 106 Minuten

Cast: Vera Farmiga, Patrick Wilson, McKenna Grace, Madison Iseman, Katie Sarife und weitere