Frisch Gepresst: The Japanese House

Verlieben und Verfallen

Amber Bain, besser bekannt als The Japanese House kennt sich aus mit Verlusten, Angst und Verletzung. Auf ihrem heiß ersehnten Debütalbum „Good At Falling“ erzählt sie ungewohnt offen von emotionalen Hoch- und Tiefflügen.
Amber Bain
Nach langem Warten veröffentlicht Amber Bain als The Japanese House nun ihr Debütalbum.

Die Fans von The Japanese House mussten in den vergangenen Jahren tapfer sein. Zwischen 2015 bis 2017 veröffentlichte die Band um die Engländerin Amber Bain vier außerordentliche EPs, begleitete Bands wie The 1975 und Wolf Alice auf Tour und arbeitete sich mit fragilen, intimen Songs tief in die Herzen von Indie-Liebhaberinnen und -Liebhabern. Nur eine Sache fehlte, um das Glück perfekt zu machen: ein erstes, richtiges Album. Und das ließ auf sich warten. Auf Twitter war das The-Japanese-House-Debüt ca. zwei Jahre ein Running Gag, vergleichbar mit der Suche nach Atlantis. Vielleicht existiert es, vielleicht aber auch nicht. Man weiß es nicht genau. Irgendwann machte Bain dem Spuk ein Ende. Sie kündigte den Release von „Good At Falling“ an und veröffentlichte neben „Lilo“ und „Follow My Girl“ noch drei andere Singles vorab und gewährte nacheinander kurze Einblicke in diese lang ersehnte Platte.

Ein Viereck mit Existenzkrise

„Good At Falling“ verdankt seinen Titel einem Computerspiel, dessen Protagonist ein Viereck mit Existenzkrise ist. Bain bekam das von einer Freundin gezeigt und erlitt sofort einen Weinkrampf. Für sie war es das Schönste und Traurigste zu gleich – und eignete sich damit bestens als Namensgeber für ihr kürzlich fertiggestelltes Debütalbum. Denn in den vergangenen Jahren muss sich die 22-Jährige in etwa wie dieses Viereck gefühlt haben. Ihr Privaterleben erreichte in kürzester Zeit einen Hoch- und Tiefpunkt nach dem anderen. Zu großen Teilen befasst sich „Good At Falling“ mit der zerbrochenen Liebesbeziehung zwischen Bain und ihrer Kollegin Marika Hackmann. In der Vorab-Single „Lilo“ wird die innige Verbindung der beiden Musikerinnen deutlich, gleichzeitig ist aber auch spürbar, wie sie mehr und mehr auseinanderdriften. Bekräftigt werden diese Eindrücke durch das Musikvideo zu „Lilo“, in dem sich die zwei Frauen jeweils selbst spielen. Bain konnte sich für Hackmanns Rolle keine geeignetere Darstellerin als sie selbst vorstellen und bat sie, im Video mitzuspielen. Hackmann, die nach wie vor sehr eng mit Bain befreundet ist, willigte ein.

Liebe, Neurosen und Paranoia

The Japanese House zeichnete sich bisher vor allem durch verworrene Soundlandschaften und vage, fragmentierte Lyrics aus. Die Melodien sind zwar nach wie vor verspielt, die Texte allerdings weitaus direkter. So heißt es in „We Talk all the Time“:

We don’t fuck any more but we talk all the time, so it’s fine.

- The Japanese House, „We Talk all the Time“
Doch „Good At Falling“ ist nicht nur das Manifest einer engen, aber gescheiterten Beziehung, sondern erkundet auch die Schmerzen, die Amber Bain außerhalb ihres Liebeslebens erfuhr. „You Seemed So Happy“ handelt vom plötzlichen Tod eines Freundes, durch den sie eine Reihe von Neurosen bezüglich ihrer eigenen Gesundheit entwickelte. In „Everybody Hates Me“ setzt sie sich mit ihrer eigenen Panik und Paranoia auseinander.

The Japanese House, eine fragile Festung

Fallen kann vieles bedeuten, findet Bain: „Falling in love with someone, or falling flat on your face, feeling like your life is being destroyed, falling out of love with someone. I always find myself doing that, and being in those things.“ Und genau deshalb ist „Good At Falling“ - obwohl es durchaus einem klaren, roten Linie folgt – ein starkes, vielseitiges Album. Bain nimmt uns überall hin mit: In die zärtlichsten Momente ihrer Beziehung; die schwärzesten und einsamsten Ecken ihrer Wahrnehmung, aber am allermeisten führt sie uns zu bittersüßen Wendepunkten, wo sich große Gefühle in ihren Counterpart umschlagen. „Good At Falling“ handelt von Bains schlimmsten Unsicherheiten, gleichzeitig setzt sie damit aber auch ein Zeichen. Ihr Debütalbum ist ein Meisterwerk; eine Platte, die wir von einer weitaus älteren, erfahreneren Künstlerin erwarten würden. So zerbrechlich Amber Bain sich auch manchmal fühlen mag, als The Japanese House steht sie fest auf beiden Beinen.

 

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The Japanese House: Good At Falling

Tracklist:

1) went to meet her (intro)
2) Maybe You’re The Reason
3) We Talk all the Time
4) Wild
5) You Seemed so Happy*
6) Follow My Girl*
7) somethingfartoogoodtofeel
8) Lilo
9) Everybody Hates Me
10) Marika Is Sleeping*
11) Worms
12) f a r a w a y
13) i was you in a dream

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 01.03.2019
Dirty Hit