Frisch gepresst: Earl Sweatshirt

Some Rap Songs – und mehr?

Mit dem neuen Album „Some Rap Songs“ meldet sich der einst als Wunderkind gepriesene und seit 2015 verschollene Rapper Earl Sweatshirt wieder zu Wort. Ein erschreckend kurzes Album, dessen experimenteller Style sich jedoch als „Gamechanger“ erweist.
Earl Sweatshirt auf der Bühne
Earl Sweatshirt

Wenn man etwas von Thebe Neruda Kgositsile (besser bekannt als Earl Sweatshirt) behaupten kann, dann, dass er die Aufmerksamkeit nicht sucht, diese ihn aber immer findet. Ob er nun als Sohn des südafrikanischen Poeten undAktivisten Keorapetse Kgositsile geboren oder mit 16 Jahren von seiner Mutter in eine Boarding School nach Samoa verbannt („Free Earl“) wird. Im Endeffekt muss er wohl nur seiner klammernden Fanbase gerecht werden, die auch mal selbstlos hinnimmt, dreieinhalb Jahre auf sein neues Album zu warten.

Neben Enfant terrible Tyler the Creator und dem kamerascheuen Frank Ocean wurde Earl als das dritte Zugpferd des Rapkollektivs OFWGKTA bekannt. Herausstechend hier vor allem durch seine lyrischen Qualitäten, die er bereits auf seinem Debütalbum „Doris“ unter Beweis stellte.

Mal was Neues 

Wie immer unterscheidet sich der Sound massiv von allen vorherigen Alben. Dieses Mal vor allem durch seine radikale Kürze, kaum einer der 15 Tracks übertrifft die Zwei-Minuten-Marke. Der Sound Lo-fi, verzerrte Jazzsamples auf Loop, subtile Drums, dreckig abgemischt. Zum Großteil selbst produziert unter dem altbekannten Pseudonym RandomBlackDude. Darüber die für Earl typisch komplexen Reimschemen. Texte über Depressionen („Nowhere2go“), Drogen („December 24th“), familiäre Probleme und den noch nicht allzu lange zurückliegenden Tod seines Vaters („Peanut“; „Riot“).

War's das schon? Wird man sich nach erstem, vielleicht auch zweitem Hören fragen. Was jedoch zurück bleibt, ist keinesfalls ein Gefühl der Enttäuschung. Dieses Album stellt den bisherigen Höhepunkt der ohnehin makellosen Diskografie des Rappers dar. „Some Rap Songs“ sind eben doch deutlich mehr als der Titel impliziert. Emotional ansprechend, lyrisch wertvoll und nicht einmal notwendigerweise Rap Songs.

Fazit

Es wird nicht jedem gefallen, da es nicht allzu leicht zugänglich ist. Definitiv Nischenrap. Keine single-tauglichen Solonummern, vielmehr eine knapp halbstündige Experience am Rande eines sich stetig verändernden Genres. Aber mit Backing eines Major Labels, sowie einer loyalen jungen Fanbase. Ein Album, welches das Potenzial besitzt, Untergrundrap für aufsteigende Rapper attraktiver zu machen, als die zur Zeit so beliebte Trapschiene (nichts gegen Trap tho).

 

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Robin Schmitt, Marius Arendt
11.12.2018 - 15:09
  Kultur

Earl Sweatshirt: Some Rap Songs

Tracklist:

01. Shattered Dreams

02. Red Water

03. Cold Summers

04. Nowhere3go

05. December 24

06. Ontheway! (ft. Standing On The Corner)

07. The Mint (ft. Navy Blue)

08. The Bends

09. Loosie

10. Azucar

11. Eclipse

12. Veins

13. Playing Possum (ft. Cheryl Harris & Keorapetse Kgositsile)

14. Peanut

15. Riot!

Erscheinungsdatum: 30.11.2018
Tan Cressida/Columbia