Theaterrezension

Turandot

Ein witziges chinesisches Märchen aus längst vergangenen Tagen. Das Masken- und Puppentheater „Turandot“ nimmt das Publikum mit auf eine humorvolle Reise in das alte chinesische Reich.
Turandot Darstellende
Rezension zu Turandot

Die „Compania Sincara“ ist bekannt für das Spiel mit Masken und Improvisation. Das stellten die Darstellenden am Mittwoch, den 15. Mai 2019, zur Premiere des tragikomischen Theatermärchens „Turandot“, frei nach der Oper von Giacomo Puccini, unter Beweis.

Die chinesische Mauer voller Prinzenköpfe - ist Turandot die Rote Königin?

Turandot ist die Tochter des chinesischen Kaisers und hat durch ihre Liebesgeschichten Unheil, Krieg und Zerstörung über das Land gebracht. Als einzige Thronerbin unternimmt ihr Vater alles Erdenkliche, um einen würdigen Ehepartner für die Prinzessin zu finden.

Turandot hat aber sehr hohe Ansprüche und so muss jeder Heiratsanwärter drei Rätsel lösen (die es wirklich in sich haben) oder ihm wird der Kopf abgeschlagen.

„Kopf ab, Kopf ab“ hört man ihre Worte über die Ganze Mauer hallen. Sie erinnert an die Rote Königin aus „Alice im Wunderland“, die auch allen die Köpfe abschlug, die ihr nicht alle Wünsche von den Lippen ablesen konnten. So kommt es, wie es kommen muss. Nach einiger Zeit ist die Chinesische Mauer voller Köpfe gespickt.

Rezi Tourandot kopf ab
 

 

Theatermärchen mit Maskenfiguren
Rezension zu Turandot

„Es war einmal,…“

Rezi Tourandot es war einmal

Die eigentliche Handlung dreht sich rund um den Alltag der 5 wichtigsten Minister des Reiches, die in unterschiedlicher Konstellation die Bühne betreten. Es geht los mit dem märchentypischen Satz: „Es war einmal..“ und dann stellen die Minister nacheinander sich und ihr Handwerk vor und betonen dabei, dass sie selbst den wichtigsten Posten hätten. Immer wieder brechen die Darstellenden aus ihrer Rolle aus und schlagen den Bogen zur Realität. Da muss auch mal die Technik ran, um schnell einen Fleck auf dem Boden aufzuwischen.

Der Techniker wird auf die Bühne gerufen
Rezi Tourandot techniker

Die Treppe wird mit bespielt und die Zuschauenden werden offen angesprochen. Die Minister verwandeln sich in Komödianten, die sich selbst nicht allzu ernst nehmen und das Publikum bebt vor Lachen. Aus dem Märchenabend wird ein Comedy-Abend.

Masken, Helden in Strumpfhosen und ein Ein-Mann-Orchester

Die Masken, die die Darstellenden tragen, unterstreichen ihren individuellen Charakter, der an Stereotypen von Tieren und Fabelwesen erinnert. Sie verdecken gerade so viel von den Gesichtern der Schauspielenden, dass diese anonym und unerkannt bleiben, aber trotzdem wunderbar mit ihrer Mimik arbeiten können. Schreckhaft, aber neugierig erkunden die Minister die Bühne und sind dabei äußerst ungeschickt. Wie Kinder spielen sie miteinander und mit dem Publikum und erzeugen mit einfachen Mitteln viel Atmosphäre. Die Einheit zwischen den Schauspielenden ist deutlich spürbar. Unbeschwert, fast wie selbstverständlich bewegen sie sich über die Bühne. Der Finanzminister erinnert in seinen knallroten und knallengen Strumpfhosen an Peter Pan und all die anderen Helden in bunten Strumpfhosen.

Rezi Tourandot ohne moos

Durch ihre übertrieben erzwungene Eleganz wirken die Darstellenden wie Clowns mit einem großen Repertoire aus Tanz, Gesang, Komödie, Pantomime und vielen vielen überzeugenden Wortwitzen. Das Ein-Mann-Orchester besetzt von Laurenz Welten, der das Stück auf mehreren Instrumenten live begleitet, sorgt nicht nur für eine angenehme musikalische Untermalung, sondern auch für spannende Hintergrundgeräusche. Die Schaubühne Lindenfels verwandelt sich an diesem Abend in eine Version der Chinesischen Mauer und ihr Gewölbe sieht aus wie der Mond, der über der liebevoll dekorierten Stellwand am Nachthimmel aufgeht. Am Ende nehmen die Schauspielenden ihre Masken ab und lüften so im Mondlicht das Geheimnis um ihre Gesichter.

Fazit

Die Spielweise der AkteurInnen ist sehr überzeugend und die Zeit verfliegt, da Szenenlänge und deren Wechsel gut aufeinander abgestimmt sind. Durch das bunte, aber einfach gehaltene Bühnenbild und dem Stil der Masken denkt man, man würde in der Loge eines Wanderzirkus‘ der Zwanzigerjahre sitzen und merkt gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht.

Eine sehr empfehlenswerte, komödiantische Performance mit Bauchmuskelkater-Potential.

 

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Darline Schröder
20.05.2019 - 14:40
  Kultur

Turandot

Premiere: 15. Mai 2019

Spielort: Schaubühne Lindenfels

Leitung: Rico Dietzmeyer

Darstellende: Rico Dietzmeyer, Felicitas Erben, Gwen Kyrg, Eric Schellenberger, Marie Wolff

Masken- und Figurenbau: Franziska E. Schubert

Bühnen- und Objektbau: Lisa-Maria Totzke

Produktionsleitung & Licht: Christoph Püngel

Musik: Laurenz Welten

Assistenz: Julie Bader, Alejandro Vallejo Barguil

weitere Aufführungstermine:

17. Mai 2019, 18. Mai 2019, 19. Mai 2019 - Schaubühne Lindenfels

21. Juni 2019 – Schauspiel Leipzig (Diskothek)

24.-27. Oktober 2019 – Schaubühne Lindenfels