Die Kolumne

Doch nicht DAS Wahre!

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Heute mit Elisabeth Schmidt über DAS Auto.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

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Die Kolumne von Elisabeth Schmidt.
0211 Die Kolumne von Elisabeth Schmidt.

An einem schicksalsträchtigen Tag im Jahr 2015 sitzen Millionen von Menschen in Deutschland mehr oder minder gelangweilt vor ihren Fernsehern. Das Programm ist intellektuell so anspruchslos wie einschläfernd. Doch plötzlich: Eine durch den mentalen Dämmerzustand unerwartete Programmunterbrechung - die Werbepause! Ein Spot jagt den nächsten. Waschmittel, Körperlotion, Onlinekasinos, Lottowerbung, Kreuzfahrten werden angepriesen und mit Superlativen in göttliche Höhen gelobpreist. Dann der Volkswagenspot. In Gedanken spricht man schon die altbekannten Worte mit, ein durchschnittlich attraktives Auto für einen überzogenen Preis wird eingeblendet, dann das Logo, und jetzt kommt, alle mitsprechen:

"Volkswagen."

DAS Auto...hoppla! Wo ist denn "DAS Auto" hin? Skandalös! Und seitdem, also nun schon seit mehr als drei Jahren - nicht mehr "DAS Auto". Sondern nur noch ein schnödes "Volkswagen". Angesichts des Dieselskandals ist ein wenig mehr Bescheidenheit sicher angebracht. Tja - wie sagt man so schön? Hochmut kommt vor dem Fall.

Aber so tief sind sie ja nun nicht gefallen. Zumindest habe ich keinen der verantwortlichen Konzernchefs wie Matthias Müller um Almosen betteln sehen, also scheint´s ja noch zu reichen. Mit zehn Millionen Euro Jahresgehalt kommt man ja noch ganz knapp über die Runden, Herr Müller. Aber für Verbraucherentschädigungen reicht es dann bei Volkswagen dann nicht mehr: Wie ein Terrier verbeißen sich die Vorstände in jeden Cent.

Das ist doch ein bisschen unfair, oder? Die sind immer noch so reich, dass sie praktisch unangreifbar sind. Einzeln hat man als VerbraucherIn da keine Chance.

Kolumnistin Elisabeth Schmidt blickt mit einem Augenzwinkern auf die Geschehnisse der Woche. Dabei zwinkert sie gar nicht.
Kolumnistin Elisabeth Schmidt blickt mit einem Augenzwinkern auf die Geschehnisse der Woche. Dabei zwinkert sie gar nicht

Sicherlich kennt jede und jeder Leute, die einen VW haben - und einen Vollzeitjob. Trotz des Vollzeitjobs haben sie nicht das Geld, und wegen des Vollzeitjobs nicht die Zeit, vor Gericht zu ziehen. Also, ich für meinen Teil hätte keine Lust, nach einer Zehnstundenschicht als mittelständische Privatperson "DAS Auto" zu verklagen. Denn egal wie gut meine Rechtsvertretung auch sein mag, gegen die Konzernanwalts-Gangs hat sie keine Chance. Meine Rechtsvertretung ist nämlich auch allein mit einem Vollzeitjob. Vor Gericht sind alle gleich, aber manche sind eben gleicher.

Ein Lichtblick ist eine hübsche neue Anwendung im Justizapparat: Man kann gegen den Konzern jetzt als Horde antreten - mit Musterfeststellungsklagen. Mindestens 50 Betroffene und ein Verband sind dafür notwendig. Und mit 50 Betroffenen und einem Verband im Rücken ist der David gegen "DAS Auto" vielleicht doch nicht mehr so chancenlos.

 

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