Leipzig Livre

Recht auf Asyl - Pflicht zur Aufnahme?

Das Thema Migration ist in den vergangenen Monaten zu einem der wichtigsten Themen geworden. Nicht nur in Deutschand sondern in ganz Europa stellt sich die Frage, ob ein Recht auf Asyl auch eine Pflicht zur Aufnahme bedeutet.
Ein Recht auf Asyl sollte den Flüchtlingen nicht verwehrt bleiben - bedeutet das zeitgleich die Pflicht zur Aufnahme?

Jeden Tag erreichen uns neue Nachrichten von ankommenden Flüchtlingen. Kommunen seien überfordert mit der Zahl der Menschen – es gäbe nicht genug Möglichkeiten, sie alle unterzubringen, heißt es. Eine grundsätzliche Frage wird immer wieder diskutiert: Wie sollen die Menschen aus Syrien, Afghanistan und aus anderen Ländern demnächst in unsere Gesellschaft integriert werden? Und haben die europäischen Staaten eine Pflicht, die ankommenden Flüchtlinge aufzunehmen?

Integration ist eine europäische Frage

Am Wochenende diskutierten deutsche und französische Experten im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig im Rahmen der Veranstaltung "Leipzig Livre" über die Frage: Recht auf Asyl – Pflicht zur Aufnahme? Unter ihnen war auch der Direktor des Instituts für empirische Migrations- und Integrationsforschung an der Berliner Humboldt-Universität, Professor Wolfgang Kaschuba. Er forscht unter anderem zu Alltag und Kultur in der euopäischen Moderne aber auch zu nationalen und ehtnischen Identitäten und verweist darauf, dass Europa das ganze 20. Jahrhundert lang von Migration geprägt wurde. Auch Deutschland habe beispielsweise in den 1960-er Jahren eine Vielzahl von Gastarbeitern aus anderen europäischen Staaten aufgenommen. Die Angst vor der "Islamisierung" durch die Flüchtlinge aus Syrien und anderen muslimischen Ländern kann er nicht verstehen. Er plädiert dafür, vor allem auf die Gemeinsamkeiten, statt die Unterschiede zu schauen. 

Durch die Volkshochschule Internet sind wir mit der ganzen Welt vernetzt. Die meisten würden sich wundern, wie viel die Flüchtlinge über Deutschland wissen. 

Die Flucht mache die Menschen jedoch gleich, sagt Kaschuba. Eine gelungene Integration funktioniere seiner Meinung nach nur, wenn die Flüchtlinge so schnell wie möglich dezentral untergebracht werden. Deutschland habe lange Zeit geleugnet, ein Einwanderungsland zu sein, sagt der Ethnologe und Kulturwissenschaftler. Da seien ihm einige europäische Länder schon voraus. 

Was Wolfgang Kaschuba von Integration, Pegida und einer Quotenverteilung von Flüchtlingen hält, hat er mephisto 97.6-Redakteurin Birgit Raddatz im Interview erzählt. 

Birgit Raddatz über das Thema "Rech auf Asyl"
2610 recht auf asyl
 

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Birgit Raddatz
26.10.2015 - 18:56