Luzides Träumen

Bewusstsein im Schlaf

Wenn Unmöglichliches möglich wird. Über das Phänomen, dass wir beim Schlafen gezielt in unsere Träume eingreifen und diese nach unserem Belieben gestalten können.
Im Himmel fliegen. Im Klartraum möglich.
Durch die Wolken fliegen. Im Klartraum kann man der Fantasie freien Lauf lassen.

Sei es nun Sex mit Heidi Klum oder ein Gespräch mit der verstorbenen Katze. Oft wünschen wir uns Dinge, die in der Realität unmöglich scheinen. In unserer Traumwelt dagegen ist nichts unmöglich. Mit bestimmten Techniken kann man sich im Schlaf über den Traumzustand bewusst werden und aktiv ins Geschehen eingreifen. In einem Klartraum, auch luzides Träumen genannt, ist jeder selbst der Regisseur und entscheidet, was passiert. "Luzid" bedeutet dabei so viel wie klar oder lichtvoll und beschreibt den Moment, in dem man erkennt, zu träumen.

Traumtraining

Derzeit beschäftigen sich vermehrt Traumforscher mit diesem Phänomen. Jonathan Dilas ist Gründer der Seite matrixblogger.de, auf der er die komplexe Welt des Traumes erkundet. Mit 16 Jahren hatte er spontan einen luziden Traum. Ein paar Jahre später erkannte er, dass er diesen Zustand bewusst erreichen kann und trainierte dann solange, bis er sich regelmäßig in Klarträumen wiederfand. Er macht deutlich, was das luzide Träumen von dem normalen Träumen unterscheidet:

„Normalerweise ist es ja so, dass man morgens aufwacht und dann erst erkennt, dass man träumt. Also existiert ein Traum für einen normalen Menschen immer nur als Erinnerung, niemals als Gegenwart. Und der Zustand der Luzidität sorgt sozusagen dafür, dass der Traum vergegenwartisiert wird.“ Jonathan Dilas

In einem Klartraum geht es vordergründig darum, sich bewusst zu machen, dass es sich um einen Traum handelt. Durch sogenannte Reality Checks kann man überprüfen, ob man sich gerade in der Realität oder in einem Traum befindet. Jonathan Dilas empfielt, sich etwa 10 Mal am Tag eine Minute Zeit zu nehmen und seine Umgebung zu überprüfen. Dabei sollte man sich fragen, ob es sich gerade um die Realität oder einen Traum handelt. Nach einiger Zeit übernehme man dann diese Routine auch im Traum. Hinweise, dass es sich gerade um einen Traum handelt, sind meist eindeutig. So weiß man zum Beispiel nicht, wie man hergekommen ist oder man befindet sich in einer Situation, die sehr untypisch ist. Durch einen kritischen Blick auf seine Umgebung kann einem dann der Traumzustand bewusst werden.

"Ich fliege!"

Sobald man diesen Punkt erreicht hat, kann man seiner Fantasie dann freien Lauf lassen. Jonathan Dilas nutzt diese Momente meistens, um zu fliegen:

„Ja, meistens flieg ich dann los. Erstmal richtig schön durch die Wolken fliegen oder am nächtlichen Firmament entlangfliegen. Oder man kann auch ins Weltall fliegen, wenn man möchte. Also gibt da unwahrscheinlich viele Möglichkeiten, die man da hat und die sind einfach grenzenlos.“ Jonathan Dilas

Viele nutzen das luzide Träumen zum Spaß: um Dinge zu erleben, die in der Realität unmöglich sind. In der Forschung sucht man aktuell nach Möglichkeiten, dass luzide Träumen auch für therapeutische Zwecke zu nutzen. So besteht zum Beispiel die Möglichkeit, gezielt angsterregende Situationen im Traum durchzuspielen. Durch diese Simulation könnte man einen gezielten Umgang mit bestimmten Emotionen erlernen.

Je wacher der Traum, desto kreativer der Träumer

Jonathan Dilas berichtet, dass viele Leute in luziden Träumen auch an Kreativität gewinnen. Gerade Künstler sehen Unglaubliches und bekommen neue Ideen für ihr Schaffen. Er selbst habe durch das bewusste Träumen schon viel an Energie gewonnen, die ihm dabei verhalf, sich noch intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen.

Jeder hat die Möglichkeit, durch Training Erfahrungen eines Klartraums zu machen. Wie schnell man dabei erste bewusste Momente im Traum erlebt, ist sehr unterschiedlich. Laut Jonathan Dilas erleben die meisten bereits nach einigen Wochen erste klare Augenblicke. Er beschreibt, wie wichtig es ist, seinen Träumen, zum Beispiel durch Traumtagebücher, Aufmerksamkeit zu geben:

„Also das Träumen ist wie eine Blume. Die muss man gießen mit Aufmerksamkeit. Und je mehr Aufmerksamkeit man den Träumen gibt, desto mehr Erfolge wird man haben.“ Jonathan Dilas

mephisto 97.6 - Redakteurin Julia Wolf über luzide Träume.
Luzide Träume

 

Redakteurin Julia Wolf im Interview mit Jonathan Dilas.
 

 

 

Kommentare

Danke für das tolle Interview! Das hat mich richtig inspiriert und ich werd es auch mal probieren. Jonathan Dilas kenn ich schon von seinem Blog und dort bin ich auch mal öfter und les seine Artikel.

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