Open Data

Alles für Jeden

Von Umweltdaten über geografische und statistische Daten bis hin zu Gesetzen und Verordnungen: Was wäre, wenn alle öffentlichen Daten auch wirklich öffentlich wären? Wir sprachen darüber mit dem Software-Entwickler Markus Zapke-Gründemann.
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Viele Daten aus deutschen Behörden sind zurzeit noch unter Verschluss.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten im Internet nachlesen, wie viele Einbrüche es im letzten Jahr in Ihrem Stadtviertel gegeben hat, welches die kürzeste, sicherste und schönste Fahrradroute von zu Hause aus zu Ihrem Arbeitsplatz ist oder was staatliche Lebensmittelkontrollen in den Restaurants Ihrer Stadt ergeben haben. Alles gesammelt und grafisch aufbereitet auf einer Website.

Offene Daten

Software-Entwickler Markus Zapke-Gründemann.

Das ist der Traum von Software-Entwickler Markus Zapke-Gründemann. Er möchte, dass die oftmals durch Steuermittel finanzierten Daten der öffentlichen Verwaltung für jeden zugänglich sind. Denn: Behörden, Ämter, Gerichte, und andere staatliche Stellen sammeln eine enorme Menge an Daten – von Umweltdaten über geografische und statistische Daten bis hin zu Gesetzen und Verordnungen. Doch diese sind oft nur den Behörden zugänglich und werden erst auf Nachfrage veröffentlicht.

Viele haben bei Open Data allerdings auch Bedenken. Sie befürchten, dass Daten fehlinterpretiert oder missbraucht werden könnten und auch, dass die durch Steuergelder finanzierten Informationen kommerziell genutzt werden dürften, spreche dagegen. Doch zumindest wer um seine persönlichen Gesundheitsakten, Arbeitszeugnisse und Stammurkunden fürchtet, liegt falsch: Es geht bei Open Data nicht um personenbezogene Daten, sondern viel mehr um Daten von öffentlichem Interesse und die öffentliche Auseinandersetzung mit diesen. Dass das funktionieren kann, beweist eine deutsche Stadt:

"Das schönste Beispiel in Deutschland ist wahrscheinlich Hamburg. Denn die haben ein tolles Open Data Portal, weil sie nämlich auch ein sehr tolles Transparenzgesetz haben – daran hängt das alles. Es gibt in Deutschland ein Informationsfreiheitsgesetz. Das haben bis auf Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg alle Bundesländer inzwischen umgesetzt und deswegen kann man die Einsicht der Daten auch einklagen [...]. Hier in Sachsen habe ich keine rechtlichen Mittel, ich kann das ja nicht erzwingen."

Deutschland hinkt hinterher

Trotz dieses vorbildlichen Beispiels hinke Deutschland, was offene Daten angeht, im internationalen Vergleich hinterher. In den USA zeigt der Staat unter anderem die Verbreitung von Grippeviren an, in Großbritannien kann jeder Bürger auf die Sterblichkeitsrate bei Asthma zugreifen. Das liege vor allem an den Behörden selbst. Denn für sie bedeuten offene Daten vor allem eins: Veränderung. Zum einen entstehe dadurch ein gewisser Aufwand. Die Informationen müssen nicht nur digitalisiert, sondern auch mit anderen Behörden abgestimmt werden. Zum Anderen bedeute das für sie auch immer Transparenz, dass ihre Arbeit öffentlich "ein bisschen stärker kontrolliert wird und dass man ein bisschen genauer arbeiten muss", wie Zapke-Gründemann erklärt. Und weiter:

"Weil in Deutschland bis quasi ganz nach oben die Leute nicht verstanden haben, dass sich die Welt ganz stark verändert und dass wir da mitgehen müssen [...]. Letztendlich durchdringt digitale Technologie unser ganzes Leben überall – ob wir das wollen oder nicht."

Ein besseres Leipzig?

Auch die Bewohner Leipzigs könnten von offeneren Daten profitieren. Zurzeit arbeitet eine Gruppe um Zapke-Gründemann an diversen Apps, die den Menschen aufbereitete Daten zur Verfügung stellen. Dazu zählt eine interaktive Karte, auf der alle Kindertagesstätten und Schulen angezeigt werden. Ein angepeiltes Projekt ist zudem die Analyse und Visualisierung des Haushaltes der Stadt – im Moment seien das lediglich "vier riesige PDF-Dokumente, die keiner versteht."

 

Software-Entwickler Markus Zapke-Gründemann im Studiogespräch mit Moderatorin Constanze Müller.
Open Data
 

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Zurzeit findet die "Europe Code Week" mit über 1.200 Veranstaltungen in ganz Europa statt, bei der sich alles um Programmieren und Open Data dreht. Eine davon ist heute Abend von 18 bis 22 Uhr im BIC in Leipzig. Sie steht unter dem Titel "Wie kann ich mit Open Data meine Stadt verbessern?". Alle Interessierten können an Workshops, Projekten oder Diskussionen teilnehmen.

BIC Leipzig
Karl-Heine-Straße 99
04229 Leipzig